Wann handelt es sich
um einen augenärztlichen Notfall?
Die häufigsten Notfallsituationen verursachen Fremdkörper
(zB. Metallsplitter) auf der Binde- oder Hornhaut. Sie verursachen Schmerzen,
tränende, gerötete Augen und einen Lidkrampf. Die Therapie
beinhaltet die Entfernung des Fremdkörpers und anschliessende Antibiotikasalbentherapie.
Stumpfe Gewalteinwirkungen durch zum Beispiel einen Faustschlag, einen
Tennisball und Sektkorken oder ähnliches führen zu vielfältigen
Kontusionsverletzungen am Auge. Durch die Verformung des Augapfels kommt
es zu Zerreissungen in verschiedenen Bereichen. Nicht selten können
wegen einer Blutung in der Vorderkammer des Auges die hinteren Augenabschnitte
nicht beurteilt werden. Meist wird das Auge zunächst ruhiggestellt,
damit sich das Blut absetzen kann. Schwerwiegende Verletzungen müssen
operativ versorgt werden.
Die gefährlichsten Augenverletzungen entstehen bei Verätzungen
durch Laugen, Säuren oder Lösungsmittel. Sie erfordern sofortiges
Handeln: Reichliches Spülen innerhalb von Sekunden mit jedweder
neutralisierender Flüssigkeit ( zB. Leitungswasser, Mineralwasser,
Limonade, Tee, möglichst keine Milch verwenden!) Grobe Partikel
( zB. Kalk) sollten vorsichtig aus dem Bindehautsack entfernt werden.
Dann sollte ein rascher Transport des Patienten zum nächstgelegenen
Augenarzt bzw. in die Augenklinik erfolgen.
Ein plötzlich, also akut auftretender Verlust des Sehvermögens
auf einem Auge sollte immer umgehend dem Augenarzt/Augenärztin
vorgestellt werden. Es kann sich um Durchblutungsstörungen, eine
Netzhautablösung oder um eine Entzündung oder Verletzung verschiedener
Augenabschnitte handeln.
Auch die Wahrnehmung von Photopsien (helle Lichtblitze) sowie das plötzliche
Auftreten einer Vielzahl von "mouches volantes" (fliegende
Mücken) sind
abklärungsbedürftig. So kann doch in Einzelfällen ein
Netzhautriss und/oder
eine Glaskörperblutung die Ursache darstellen.
Ab welchem Lebensalter empfiehlt sich eine augenärztliche
Vorsorge-Untersuchung ?
Sofern Sie keine speziellen Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus,
Autoimmunerkrankungen oder generell Erkrankungen, die mit Cortison behandelt
werden müssen, empfiehlt sich die erste augenärztliche Untersuchung
im 45. Lebensjahr. In der Regel machen sich in diesem Alter auch erste
Anzeichen für eine Alterssichtigkeit, also erste Leseschwierigkeiten
bemerkbar.
Patienten mit einer Kurzsichtigkeit mehr als ca. 6 Dioptrien oder einen
näheren Familienmitglied mit einer Erkrankung des grünen Stares
(Glaukom) sollten unabhängig vom Lebensalter regelmässige
augenärztliche Kontrollen wahrnehmen.
Darf ich nach einer augenärztlichen Untersuchung selbst
mit dem Auto nach Hause fahren?
Häufig ist es notwendig, den Augenhintergrund bei medikamentös
erweiterten Pupillen zu untersuchen. Dadurch kommt es zu einer starken
Herabsetzunge des Sehvermögens und starker Blendempfindlichkeit.
Die Wirkdauer der pupillenerweiternden Medikamente beträgt in der
Regel 3-4 Stunden. Da Sie in dieser Zeit nicht autofahrtüchtig
sind, empfiehlt es sich, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen
oder sich gegebenfalls abholen zu lassen.
Muss ich die neu verordnete Brille immer tragen?
Wenn Kopfschmerzen, Verschwommensehen oder Doppelbilder der Grund
für die Brillenanpassung waren, ist das ständige Tragen der
neu verordneten Brille Teil der Therapie.
Bei einer Gleitsichtbrille empfiehlt sich zumindest in den ersten
3 Wochen ein permanentes Tragen zur Eingewöhnung. Spezielle optische
Nebeneffekte (sphärische Aberration e.c.) bedingen am Anfang eine
veränderte räumliche Wahrnehmung. Treppensteigen und Autofahren
benötigen eine erhöhte Aufmerksamkeit.
Nach Verordnung der 1. Lesebrille zur Korrektur einer beginnenden
Altersichtigkeit kann diese Brille bei Bedarf verwendet werden. An manchen
Tagen werden Sie sie den ganzen Tagen benötigen, an anderen vielleicht
erst abends beim längeren Lesen. Die Akkomodationsfähigkeit,
d.h. die Fähigkeit in der Nähe ohne zusätzliche Sehhilfe
scharf zu sehen, schwindet allmählich und ist ein Prozess über
Jahre.
Woran merke ich, dass mein Kind schlecht sieht?
Eine Vorsorgeuntersuchung empfiehlt sich, wenn das Kind oft stolpert
oder daneben greift, sehr nahe an den Fernseher heranrückt, sehr
lichtempfindlich ist, sich oft die Augen reibt oder blinzelt. Auffällig
ist auch, wenn es zeitweise ein Auge zukneift oder den Kopf schief hält.
Vielleicht klagt es auch über häufige Kopfschmerzen, die u.a.
durch eine Fehlsichtigkeit verursacht sein können oder gar über
Doppelbilder, die zeitweise auftreten, dann empfiehlt sich umgehend
eine augenärztliche Abklärung.
Wann empfiehlt sich eine augenärztliche Untersuchung von
Kindern?
Kinder mit einem Augenzittern, Schielen, Unlust am Lesen oder Doppelbildern
sollten vom Augenarzt und/oder einer Orthoptistin untersucht werden.
Hornhauttrübungen, grau-weissliche Pupillen, grossse, lichtscheue
Augen aber auch Lidveränderungen ( insbesondere die, welche die
Pupille verdecken) können ganz erheblich die visuelle Entwicklung
des Kindes beeinträchtigen und sollten ärztlich begutachtet
werden.
Bei Kindern, deren Eltern eine hochgradige Fehlsichtigkeit, selber
schielen oder eine erbliche Augenerkrankung haben, sollte frühzeitig
eine augenärztliche Kontrolle stattfinden. Kinder, die als Frühgeburt
zur Welt gekommen sind oder Kinder mit einen Entwicklungsrückstand
gehören ebenfalls zur Risikogruppe. Grundsätzlich gilt: Kein
Kind ist zu klein, um untersucht zu werden.
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